Episode IV – Veränderung und der schmelzende Eisberg

Was bisher geschah: Nachdem sein Unternehmen kurz vor dem Aus stand, hatte der Manager Hilfe bei dem Agilisten und dem Mentalisten gesucht. Nachdem diese zuerst die VUCA Welt erklärt hatten und auch gezeigt hatten, wie man mit den Strategien von VUCA Prime damit umgeht, überlegen sie nun gemeinsam, wie eine Veränderung angegangen werden sollte…

Der Manager wirkte voller Tatendrang und sprang auf. „Okay, dann nichts wie los, lasst uns überlegen, wie wir das Unternehmen retten können. Dann können wir den anderen schnell mitteilen, was sie zu tun haben.“ Doch als er seine beiden Gäste so ansah, fiel ihm auf, dass sie nur mit dem Kopf schüttelten. Der sichtlich irritierte Manager setzte sich wieder und frage dann: „Aber wir haben doch gesehen, dass wir Veränderung brauchen. Also los, lasst uns beginnen. Wir haben doch keine Zeit.“ Der Agilist schüttelte nur den Kopf und der Mentalist sagte in beruhigendem Ton: „Lieber Manager, so wird das nichts mit der Veränderung.“ Der Manager sah ihn verwundert an. „Aber wir wissen doch jetzt, wo die Probleme sind, und wir müssen den Leuten doch sagen, was sie zu tun haben. Wir haben doch keine Zeit!“ Der Agilist nickte verständnisvoll. „Der Aktionismus ist nachvollziehbar, wird aber leider nur zu noch mehr Problemen führen. Eine Veränderung von diesem Ausmaß funktioniert nur mit allen Beteiligten gemeinsam. Es ist eine Illusion, so etwas von oben anzuordnen.“ „Aber, wie gehen wir die Veränderung dann am Besten an?“ wollte der Manager wissen. Der Mentalist ergriff das Wort: „Lassen Sie mich eine kleine Geschichte erzählen. Sie stammt von John Kotter und handelt von einer Kolonie von Pinguinen.“ Der Manager setzte sich in seinen Sessel und lauschte fasziniert den Worten des Mentalisten.

Der Eisberg schmilzt

Auf einem Eisberg gab es eine große Pinguinkolonie. Die Pinguine dort lebten glücklich und zufrieden. Sie gingen ihren Aufgaben nach und sorgten füreinander. Aber ein Pinguin war anders. Er war neugierig und wurde von den anderen für etwas sonderbar gehalten. Ständig stellte er Fragen, beobachtete stundenlang den Ozean und beschäftigte sich mit Dingen, die für die anderen fremd waren. Eines Tages sah dieser Pinguin, wie ein Eisberg in der Ferne in viele Einzelteile auseinanderbrach. Er begann zu forschen, ob dies auch mit ihrem eigenen Eisberg passieren konnte und fand schließlich heraus, dass sich im inneren des Eisbergs Hohlräume gebildet hatten, die sich im Sommer mit Wasser füllten. Wenn dann im Winter das Wasser in den Hohlräumen gefror und sich ausdehnte, dann würde dies dazu führen, dass Risse entstünden. Er fand heraus, dass solche Hohlräume im gesamten Eisberg der Kolonie zu finden waren. Somit war er davon überzeugt, dass sie in großer Gefahr waren.

Die Dringlichkeit aufzeigen

Der Pinguin sprach ein Mitglied des Rats an und zeigte diesem die Hohlräume. Daraufhin wurde das Thema dem Rat vorgestellt, der sehr unterschiedlich darauf reagierte. Es gab Stimmen, die sofort etwas unternehmen wollten, aber auch sehr vorsichtige Stimmen, die die anderen Pinguine nicht verunsichern und in Panik versetzen wollten, sowie komplette Gegner, die abstritten, dass der Eisberg in Gefahr sei. Erst nachdem der pfiffige Pinguin eine Glasflasche mit Wasser gefüllt hatte und diese durch die kalten Temperaturen am nächsten Tag aufgeplatzt war, glaubte ihm der Rat und beschloss, dass man etwas unternehmen müsse. Dem neugierigen Pinguin war es gelungen, die Dringlichkeit aufzuzeigen.

Eine Führungskoalition bilden

Zusammen mit den Ratsmitgliedern und einigen klugen Köpfen aus der Kolonie wurde in der Folge ein Team aufgebaut, das sich gemeinschaftlich mit der Lösung des Problems beschäftigen sollte. Dabei achteten die Pinguine sehr darauf, dass in dem Team viele unterschiedliche Meinungen vertreten waren.

Eine Vision und Strategie entwickeln

Die Hauptaufgabe dieses Teams war es zu erarbeiten, wie die Kolonie mit diesem Problem zurecht kommen könnte. Dabei wurden unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten entwickelt, diskutiert, verworfen, angepasst und erweitert. Am Ende kam man gemeinsam zu dem Schluss, dass der Eisberg nicht zu retten sei und man Ausschau nach einem anderen Eisberg halten müsse. Aber auch dieser Eisberg würde sicher nicht in alle Ewigkeit halten. Somit bestand die Vision darin, von Eisberg zu Eisberg zu ziehen. 

Die Vision kommunizieren – immer wieder

Als nächstes wurde die erarbeitete Vision auf einer Versammlung der Kolonie vorgestellt. Was sich zuvor im Kleinen bei der Ratsversammlung abgespielt hatte, wurde hier im großen Rahmen wiederholt. Viele Pinguine waren verunsichert und andere wollten nicht glauben, was sie dort hörten. Manche lehnten auch die Vision ab, weil sie nicht verstanden, in welcher Gefahr sie sich befanden. Viele hatten auch Angst vor der Veränderung und wollten ihr gewohntes Leben nicht aufgeben. Der Rat und das Team blieben aber auch in den Tagen und Wochen nach der Versammlung beharrlich. Sie sprachen mit den Pinguinen, machten Werbung und versuchten Ängste zu zerstreuen. Gleichzeitig wurde auch ein erstes Team von Kundschaftern auf den Weg geschickt. Sie sollten einen neuen, stabileren Eisberg finden.

Andere ermutigen und Hindernisse beseitigen

Ein besonders cleverer Schachzug gelang einem Ratsmitglied, das in die Schulen ging und den Kindern zeigte, wie sie sich an der neuen Aufgabe für die Kolonie beteiligen konnten. So riefen die Schülerinnen und Schüler der Kolonie einen „Tag der Helden“ ins Leben, bei dem die zurückkehrenden Kundschafter für ihren Mut und Einsatz geehrt werden sollten.

Kurzfristige Erfolge sichtbar machen

Dieser „Tag der Helden“ wurde dann auch ein voller Erfolg. Die Kundschafter wurden geehrt und es fanden sich viele neue Freiwillige, die in der nächsten Kundschaftergruppe sein wollten. Zudem hatten die Pinguine nun auch ein Ziel, einen neuen Eisberg, wohin sie sich auf den Weg machen konnten. 

Veränderung weiter vorantreiben und verankern

Die Pinguine blieben hartnäckig. Durch erste Erfolge ließen sie nicht in ihren Bestrebungen nach und schickten immer weiter Kundschafter los, um den bestmöglichen Eisberg für die Kolonie zu finden. Somit wurde aus einer grundlegenden Veränderung ihrer Lebensweise schließlich ein fester Bestandteil ihres Lebensstils.

Veränderung in der Kultur verankern

Heute ist das Pinguinvolk ein echtes Nomadenvolk. Sie bleiben so lange an einem Ort, bis sie einen besseren und sicheren Ort gefunden haben. Ständig sind Kundschafter unterwegs und kein Pinguin war zu Schaden gekommen, als ihr alter Eisberg irgendwann auseinderbrach und in vielen Einzelteilen im Meer umhertrieb.

Der Manager dachte eine Weile über das Gesagte nach. Dann nickte er und sagte: „Das leuchtet ein und scheint mir wirklich sehr sinnvoll. Meine Herren, ich werde mich nun daran machen, eine Führungskoalition zu bilden und wäre sehr dankbar, wenn Sie uns dann dabei unterstützen würden, eine Vision und Strategie für unser Unternehmen zu entwickeln. Wenn wir ein solches Team auf die Beine gestellt haben, werde ich mich bei Ihnen melden!“ Die beiden Freunde nickten und machten sich zufrieden auf den Heimweg. 

P.S. Der Manager besorgte sich natürlich auch sehr bald das Buch von John Kotter mit dem Titel „Das Pinguin Prinzip: Wie Veränderung zum Erfolg führt“, in dem die Geschichte der mutigen Pinguine ausführlich und liebevoll erzählt wird.

Fortsetzung folgt…

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