Episode III – VUCA Prime

Was bisher geschah: Nachdem die Firma des Managers in ihrer Existenz bedroht wurde, suchte dieser Hilfe bei unseren Freunden. Der Agilist und der Mentalist eilten auch sogleich zur Hilfe und gemeinsam stellten sie fest, dass die Firma des Managers die Auswirkungen der VUKA-Welt zu spüren bekam…

In der VUKA Welt benötigt man Orientierung

„Aber wenn die Welt um uns herum volatil, unsicher, komplex und mehrdeutig ist“, fragte der Manager verzweifelt, „dann haben wir doch verloren, oder? In so einer schlechten und feindlichen Umwelt haben wir keine Chance…“ Der Agilist schüttelte beschwichtigend den Kopf und sagte ruhig: „Nein, die VUKA-Welt ist an sich weder gut noch schlecht. Sie ist wie das Wetter, einfach da. Und während ein Regentag für den geplanten Familienausflug vielleicht gerade ungünstig erscheint, freut sich der Bauer darüber, weil seine Pflanzen besser wachsen. Und umgekehrt wäre es genauso. Gleiches gilt auch für die VUKA-Welt. Sie ist einfach da, und es kommt darauf an, wie man mit ihr umgeht. Während der eine eine riesige Chance darin sieht, wird die Existenz anderer bedroht.“ „Ja, so wie unsere“, sagte der Manager resigniert.

„Aber sie können ihr Verhalten ändern“, schaltete sich der Mentalist nun ein. „Sie können ihre Umwelt aktiv mitgestalten, wenn sie sich an die Gegebenheiten anpassen. Und überall dort, wo man gestalten kann, da ergeben sich auch Chancen.“ Der Manager nickte zögerlich, doch allmählich kehrte ein kleines Fünkchen Hoffnung zurück. „Und wie sollten wir unser Verhalten dann anpassen?“ fragte er. „Die Antwortet lautet ganz ähnlich“, sagte der Mentalist. Und der Agilist fügte verschwörerisch hinzu: „Ihr Name ist VUCA Prime“.

Vision

„In einer Welt, in der sich die Dinge ständig verändern und man keine Beständigkeit mehr erwarten kann“, erklärte der Agilist, „braucht man etwas, auf das man sich zu bewegt, das einem die Richtung vorgibt. So wie ein Kompass auf dem Meer, der einem die Richtung weist, so braucht man eine Vision, die einen in der Spur hält.“ „Ich verstehe“, sagte der Manager, „wir brauchen Ziele, die wir verfolgen.“ „Eine Vision“, korrigierte der Mentalist, „das ist etwas anderes als ein konkretes Ziel. Eine Vision ist eine Richtung, ein Nordstern, etwas, das den Weg weist. Ein Ziel ist meist zu konkret formuliert. Bei sich verändernden Bedingungen, sind Ziele oftmals nicht mehr zu erreichen, oder vielleicht sogar schon obsolet. Eine Fixierung auf Ziele kann also auch zu Problemen führen. Eine Vision hingegen ist nicht so konkret. So wie der Nordstern. Man segelt immer dem Nordstern hinterher, aber man wird ihn nie erreichen. So ist es auch mit einer Vision. Vielleicht erreicht man sie nie ganz, aber sie weist den Weg.“ Der Manager nickte eifrig und machte sich Notizen.

Verstehen (Understanding)

„Die aus VUKA resultierende Unsicherheit wird durch das Bestreben zu Verstehen reduziert.“ Der Manager dachte kurz nach. „Ich glaube, das verstehe ich“, sagte er dann. „Wenn man sein Umfeld, und vor allem die Menschen um einen herum wirklich versteht, dann kann man viel angepasster und besser handeln. Und die Unsicherheit in den Menschen wird dadurch auch geringer, weil sie sehen, dass ihre Bedenken verstanden und aufgegriffen wurden.“ Der Mentalist nickte anerkennend. „Genau“, bestätigte auch der Agilist. „Zusätzlich sollte man auch immer wieder kleine Experimente durchführen und sich ansehen, wie sich die Ergebnisse auswirken. Durch diesen Ansatz, den wir als Inspect and Adapt bezeichnen, erlangt man ebenso mehr wissen, das einem in dem Umfeld helfen kann.“

Klarheit (Clarity)

„Komplexität kann man nicht wirklich reduzieren“, erklärte der Agilist weiter, „das führt meist dazu, dass man sich mehr Probleme einhandelt. Aber es gibt Möglichkeiten und Wege, um Komplexität zu absorbieren. Ein wichtiges Verhaltensmuster ist Klarheit. Verwirrende und unnötige Details sollten identifiziert und entfernt werden. Zudem ist es wichtig, auch in seinem eigenen Handeln und in seinen Aktionen sehr klar und sturkturiert zu sein.“ Der Mentalist fügte hinzu: „Und immer daran denken, im komplexen Umfeld gibt es so etwas wie Best Practices nicht. Daher sollte auch hier immer Inspect and Adapt zur Anwendung kommen, so dass sich neue Praktiken entwickeln können. Diese tragen dann zur Klarheit bei“. Der Manager nickte.

Agilität

„Inspect and Adapt ist schließlich dann auch das treibende Element der Antwort auf die Ambiguität“, führte der Agilist aus. „Irgendwann muss ich Entscheidungen treffen und in eine Richtung gehen. Aber wenn ich flexibel und anpassungsfähig bin, dann kann ich sehr schnell Feedback einholen und daraus lernen. Ich kann meine Entscheidungen anpassen, ohne große Verluste durch Fehlentscheidungen zu erleiden.“ „Von Agilität habe ich schon häufiger gehört“, sagte der Manager. „Aber ich dachte immer, das sei nur so eine neuartige Modeerscheinung.“ Der Agilist und der Mentalist schüttelten beide den Kopf. „Nein, Agilität ist kein Hype, keine Modeerscheinung und kein Selbstzweck. Sie ist eine fundamentale Fähigkeit, die Organisationen und Unternehmen in der VUKA Welt zwingend benötigen.“

Der Manager, der mittlerweile wieder etwas hoffnungsfroher dreinschaute, legte seinen Notizblock weg und fragte dann die beiden Freunde: „Okay, ich sehe, dass wir einiges hier verändern müssen, wenn wir überleben wollen. Aber wie geht es nun weiter?“ Der Agilist nickte kurz, dann antwortete er: „Sind sie bereit, einige grundlegende Veränderungen anzugehen?“ Der Manager nickte, denn er wusste, das ihm gar nichts anderes übrigbleiben würde. „Sehr gut“, sagte der Mentalist. „Sagen Sie, haben sie schon mal von den Pinguinen und dem sinkenden Eisberg gehört?“

Die Notizen des Managers

Fortsetzung folgt in Episode IV – Veränderung und der schmelzende Eisberg

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